Pressemitteilung 22.03.2011

Pressemitteilung, 22.03.2011

Klimabündnis Freiburg stellt Studie zum Ausbau der Kraftwärmekopplung (KWK) in Freiburg vor!

Nach dem Abschalten einiger Atomkraftwerke in Deutschland wird der Ausbau der Kraftwärmekopplung um so wichtiger.

Bei den Aufräumarbeiten nach der Katastrophe von Tschernobyl wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwischen 600.000 bis 800.000 Menschen als „Liquidatoren“ eingesetzt. Bis heute sind nach Schätzungen der WHO zwischen 14.000 – 17.000 an den Folgen der Strahlenbelastung der Katastrophe von Tschernobyl gestorben. Eine Gesamtstudie fehlt und es ist daher vermutlich noch von deutlich mehr Opfern aus zu gehen.

Die Atomreaktorkatastrophen von Fukushima/Japan 2011, Tschernobyl /UdSSR1986, Harrisburg/USA 1979, viele andere Atomkraft-Unfälle und Beinahe-Katastrophen auch in Deutschland verlangen den unverzüglichen Ausstieg aus der Atomenergienutzung.

Der Rhein ist heute 3 °C wärmer als vor 100 Jahren
… 1° C durch den Klimawandel,
... 2° C durch die nicht nutzbare Abwärme der großen Kraftwerke.

Die heutige Stromerzeugung verschwendet erheblich Energie. Die Kraftwerke müssen mit Wasser gekühlt werden. Theoretisch würde die Abwärme der Kraftwerke ausreichen um alle Gebäude in Deutschland zu beheizen. Etwa 2/3 der Energie, die in den Kraftwerken eingesetzt wird, kann jedoch nicht genutzt werden.

Die Kraft-Wärme-Kopplung nutzt die Abwärme der Stromerzeugung zur Beheizung der Gebäude und nutzt damit die Energie, die heute zur Erwärmung z.B. des Rheins verschwendet wird. Zur Kraftwärmekopplung werden in Blockheizkraftwerken (BHKW) typischerweise Auto- und LKW-Motoren eingesetzt, die im Erdgasbetrieb Strom und Wärme erzeugen.
Schon 5% der jährlichen Autoproduktion in Deutschland würde genügen um innerhalb von 4 Jahren so viele BHKW’s zu produzieren, dass der gesamte Strom, der bislang aus Kernenergie stammt nun in KWK erzeugt werden könnte.
Wenn man jeden 15. Fahrzeugmotor Deutschlands (PKW + LKW) im Keller als BHKW aufstellen würde, so könnte damit sofort der gesamte Strom aus Kernenergie, Stein- und Braunkohle ersetzt werden. Die Studie von Klimabündnis und solares bauen im Auftrag der Stadt Freiburg verdeutlicht einmal mehr, dass der Einsatz von BHKW’s zur eigenen Stromerzeugung heute in vielen Fällen wirtschaftlich einsetzbar ist. Die Stadt Freiburg muss nach Ansicht der Autoren der Studie mit guten Beispiel vorangehen und innerhalb der nächsten 6 Jahre nahezu alle städtischen Gebäude mit einem jährlichen Energieverbrauch von mehr als 100.000 kWh auf Kraft-Wärme-Kopplung umstellen.
Größten Handlungsbedarf auf Bundesebene sehen die Autoren der Studie in einer Anpassung der Einspeisevergütung für die Kraft-Wärme-Kopplung.
Ziel muss es sein die jetzige KWK-Förderungen zu entbürokratisierten und auf ein Modell entsprechend der Einspeisevergütung nach dem Vorbild des EEG umzustellen. Nach Ansicht der Autoren geht es nicht mehr darum wie und wann, sondern nur ob man eine Veränderung in der Energieversorgung will.

Kohle und Atom stehen auch den Klima- und energiepolitischen Zielen der Stadt Freiburg entgegen. In dieser Situation ist der massive Ausbau der energieeffizienten und klimaschonenden Kraftwärmekopplung geboten. Sie ist eine der drei Hauptsäulen der ökologischen Energiewende: Energieeinsparung, Energieeffizienz und Nutzung der erneuerbaren Energien. Das sind überdies die noch deutlich unvollendeten Säulen des bereits 1986 beschlossenen Freiburger Energiekonzepts.

Für eine glaubwürdige und erfolgreiche Freiburger Informationskampagne muss die Stadt Freiburg mit gutem Beispiel vorangehen und in ihren eigenen Gebäuden (Gebäudemanagement Freiburg, GMF) bereits im Rahmen des aktuellen Doppelhaushalts mindestens 20 Gebäude mit KWK Anlagen ausstatten.

Das Klimabündnis Freiburg fordert:

  • das Atomkraftwerk Fessenheim und alle Atomkraftwerke in Baden-Württemberg und der Schweiz still zu legen,
  • die Energiegerechtigkeit für alle Erdenbewohner und in Baden-Württemberg mittelfristig den Primärenergieleistungsbedarf auf 2000 Watt pro Einwohner zu begrenzen,
  • den sofortigen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind (> 75% des Primärenergiebedarfs bis 2035 in Baden-Württemberg),
  • den Ausbau der Kraftwärmekopplung als Ergänzung zu den Erneuerbaren Energien (Angemessene Einspeisevergütung für Kraftwärmekopplung bei gleichzeitigem Bürokratieabbau),
  • dass die Stadt Freiburg mit gutem Beispiel voran geht und bis Ende 2012 den Anteil der Kraftwärmekopplung in städtischen Gebäuden deutlich ausbaut (> 30% beim Gebäudemanagement Freiburg),
  • die Produktion von Wasserstoff / Ökomethan aus überschüssigem erneuerbaren Strom zur Nutzung der Transport- und Speicherkapazitäten des deutschen Gasnetzes (200 TWh) zu fördern.

Eine Blitzumfrage des Klimabündnis bei den Freiburger Landtagsabgeordneten hat ergeben, dass die meisten die genannten Forderungen alle weitgehend unterstützen.

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                   KWK-Studie
                   Ergebnisse KWK-Studie

Für Rückfragen:
•    Dr.Georg Löser, Tel. 0761 - 59 50161
•    Dr. Jörg Lange, Klimabündnis Freiburg, Fon: 0761/ 45687136, 0151 - 21162854
•    Martin Ufheil, Fa. Solares Bauen, Tel. 0761-4568840

Hintergrund zur KWK-Studie „Ausbau der Kraftwärmekopplung (KWK) in Freiburg “
Die Analyse hat das Umweltamt der Stadt Freiburg bei dem Planungsbüro Solares Bauen in Zusammenarbeit mit dem Klimabündnis Freiburg in Auftrag gegeben.
Das Klimabündnis-Freiburg will die ökologische Energiewende beschleunigen und fordert seit Jahren für die Stadt Freiburg eine Untersuchung zu Fragen der Kraftwärmekopplung. Diese Studie wurde am 14.3.2011 im Umweltausschuß des Gemeinderats vorgestellt und ist Teil der vom Gemeinderat Anfang 2010 beschlossenen BHKW-Maßnahmen in der Stadt Freiburg und Teil der anstehenden BHKW-Kampagne mit dem Klimabündnis Freiburg sowie weiteren Akteuren.

Das Klimabündnis Freiburg ist seit 2005 ein Zusammenschluss engagierter Bürgerinnen und Bürger, unterstützt u.a. von AK Energie & Umwelt, AK Wasser im BBU e.V., BUND RV Südlicher Oberrhein und Ortsgruppe Freiburg, econzept, ECOtrinova e.V., Energieagentur Regio Freiburg, fesa e.V., fesa GmbH, Greenpeace Freiburg, Ö-quadrat, VCD Südlicher Oberrhein e.V., waswirtun.de, Fa. Solares Bauen. Wir setzen uns ein für 100% Erneuerbare Energien, eine massive Steigerung der Energieeffizienz, Ausbau der Resourceneffizienz, Reduktion der CO2-Emissionen